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Mensa Mythen III

Posted in Herr Wu,Mensabezogenes von connaisseur - Februar 24, 2007

Als Herr Wu 17 Jahre alt war, reiste er aus seinem malayischen Heimatdorf nach Hong Kong um sein Glück zu machen. Er fand Arbeit auf dem Bau und bewährte sich als äußerst geschickter Bambusgerüstbauer. Nachdem er seinen ersten Monatslohn erhalten hatte, überredeten ihn seine Kollegen mit ihnen in Wan Chai einen drauf zu machen. In dieser Nacht verlor Herr Wu seine Unschuld an eine Prostituierte namens Suzie Wong und auch sein Herz.
Anstatt sein Geld nachhause an seine kranken Eltern zu schicken, gab er es alles für Suzie Wong aus und bald auch für das Opium, dass ihr Zuhälter verkaufte.
Nach sechs Monaten erhielt er die Nachricht, dass seine Eltern gestorben waren. Durchdrungen von Scham brach er nachhause auf und schwor, nie mehr nach HongKong zurückzukehren. Als er das Bordell verließ, schnitt sich Suzie Wong die Pulsadern auf, da sie ihn in Wahrheit auch liebte.
Zerfressen von Schmerz kreirte Herrn Wu nach seiner Heimkehr aus dem Gemüse, das im Garten der Hütte seiner Eltern wucherte und den alten Nudel, die er auf dem verlassenen Herd vorfand ein Gericht, das er nach seiner toten Geliebten benannte. Später, während seines Studiums in Pyongyang und auch in der ersten Zeit des Exils in Tübingen, kochte er es oft und alle, die sich in der Gemeinschaftsküche befanden, waren wie berauscht vom Duft des Gerichts.
Irgendwann stahl ihm der dicke Mensakoch das Rezept, da er dachte es sei ein geheimnissvolles asiatisches Familienrezept. Doch nie ist er dem Duft oder dem Geschmack der wahren Suzie-Wong-Pfanne auch nur nahe gekommen. Sie muss mit Tränen gewürzt sein.

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3 Antworten to 'Mensa Mythen III'

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  1. Surribee said,

    Connaisseur, ich danke dir für diese schöne, traurige Geschichte. Bitte schreib noch viele mehr.

  2. fraulehrerin said,

    Schluchz…


  3. Viele fragen mich, warum ich nur noch selten in die Mensa gehe: Herr Wu (der letztlich nur als singuläres Beispiel für viele dort erniedrigend Beschäftigte steht (verantwortlich für diese Betriebs-Bedingungen zeichnet wohl offensichtlich der Mensapräsident Eberhard Raaf (dessen Umgang mit Menschen im allgemeinen nicht zuletzt sich offenbart im Falle des Rausschmiss´ der Bewohner der LU(dwigsstrasse) 15))) ist der ausschlaggebende Grund für mich. Nur noch schlechten Gewissens kann ich dort essen und deshalb tue ich das nur noch in Momenten, wenn ich Hunger bekomme. Für mich als Gastronomiekritiker ist ja glücklicherweise nicht der Hunger das Hauptmotiv, etwas zu essen.


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